Praet sieht Gründe für anhaltend große EZB-Bilanz

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27. März 2019
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Hans Bentzien

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet führt als Argumente für eine weiterhin hohe Bilanzsumme die höhere Nachfrage der Institute nach Liquidität und nach Zentralbankreserven an. Allerdings gibt es in der Notenbank unterschiedliche Meinungen über die richtige Größe der Bilanz.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat aus Sicht ihres Chefvolkswirts Peter Praet gute Gründe, an einer hohen Bilanzsumme festzuhalten. Praet sagte bei der Konferenz „The ECB and Its Watchers“ in Frankfurt: „Wenn man das Mandat erfüllen will, dann braucht man dafür die Instrumente.“ Angesichts der Zinsuntergrenze bleibe in einem Umfeld strukturell niedriger Zinsen die Möglichkeit, die Optionen der Bilanz zu nutzen. Die Zentralbank könne sich nicht von der Wahl des Instruments einschränken lassen, wenn sie ein Mandat zu erfüllen habe.

Als Argumente für eine anhaltend hohe Bilanzsumme führte Praet die höhere Nachfrage der Banken nach Liquidität und nach Zentralbankreserven an, die auch regulatorische Gründe hätten.

Weidmann warnte vor übereilten Entscheidungen

In der EZB herrschen unterschiedliche Meinungen über die richtige Größe der EZB-Bilanz, die sich durch den Ankauf von Wertpapieren in den vergangenen Jahren vervielfacht hat. Das deutsche Ratsmitglied Jens Weidmann hatte kürzlich gesagt, die EZB-Bilanz solle so klein wie möglich und so groß wie nötig sein. Zugleich äußerte Weidmann die Einschätzung, dass es für diesbezügliche Entscheidungen noch zu früh sei.

Charles Plosser, der ehemalige Präsident der Philadelphia-Fed, warnte die US-Notenbank in der gleichen Konferenz davor, ohne triftige Gründe an einer großen Bilanz festzuhalten. Eine hohe Nachfrage nach Reserve-Assets ist laut Plosser kein wirklich überzeugender Grund. „Die Banken halten diese Reserven bei der Zentralbank ja nicht freiwillig, sondern weil sie es müssen. Sie können diese Reserven nirgendwo anders lassen“, sagte er.

Auch habe die Fed bisher nicht gesagt, welche Auswirkungen eine hohe Bilanzsumme auf die Geldpolitik haben werde. Er gehe davon aus, dass der Zins, den die Fed den Banken auf Einlagen zahle, de facto zum geldpolitischen Schlüsselsatz werde. (DJN)

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